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Heraus zum internationalen Frauen*kampftag 2017

Unser Feminismus bleibt…

Am 8. März gehen Frauen* seit über 116 Jahren auf die Straßen. In dieser Tradition werden auch wir 2017 in Freiburg demonstrieren, denn es zeigt sich immer noch deutlich, wie notwendig eine konsequente feministische Perspektive und ein gemeinsamer solidarischer Kampf sind und bleiben.

… antirassistisch

Sexismus wird nicht importiert
Schon seit vielen Jahrzehnten kämpfen Frauen* und LGBTIQ-Bewegungen in Deutschland und international gegen Sexismus, strukturelle Ausbeutung und sexualisierte Gewalt. Diese Phänomene sind fester Bestandteil einer jeden kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft. Frauen* sind täglich betroffen von sexualisierter Gewalt, sei es auf der Straße, am Arbeitsplatz oder im eigenen Zuhause. 25% der in Deutschland lebenden Frauen* haben körperliche oder sexualisierte Gewalt durch ihren (Ex-) Partner erfahren oder erfahren sie noch. Allein 2015 wurden 331 Frauen* Opfer von Mord und Totschlag. Die Rate der Anzeigen bei Vergewaltigung liegt bei knapp 5%, wovon jedoch lediglich ein Bruchteil zur tatsächlichen Verurteilung kommen. In 99% der Fälle sind die Täter*innen männlich. Die Ursache hierfür ist eine Gesellschaft, in der Gewalt an Frauen* eine Normalität darstellt. Diese Normalität, in welcher Männer* über Frauen* herrschen, nennt sich Patriarchat. Klingt altmodisch, ist aber auch heute noch eine globale Struktur, in der Frauen* weltweit ausgebeutet und unterdrückt werden. Zur Aufrechterhaltung dieses Systems wird psychische, körperliche, sexualisierte, politische und strukturelle Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* ausgeübt.

Wir lassen uns nicht instrumentalisieren!
Gewalt und Übergriffe gegen Frauen* sind immer zu verurteilen. Egal von wem sie ausgehen. Sexismus kommt nicht durch Migration in diese Gesellschaft. Wer das behauptet, verurteilt nicht nur pauschal Menschen anhand rassistischer Merkmale, er ignoriert auch alltägliche Erfahrungen von Frauen* und empirische Zahlen! Ignoriert werden die Erfahrungen weißer Frauen*, die den Sexismus ihrer weißen Freunde, Verwandten und Arbeitskollegen erleben müssen, genauso wie die Erfahrungen aller Frauen*, die sowohl rassistisch diskriminiert, als auch sexistisch angegriffen werden. Dies betrifft auch geflüchtete Frauen*, die in Unterkünften oder auf der Straße mit sexistischen weißen Männern konfrontiert sind. Frauen brauchen keine Beschützer – schon gar nicht, wenn diese „Beschützer“ nur für Gleichberechtigung und Frauenrechte sind, wenn sie sie für antimuslimische Hetze instrumentalisieren können.

… antikapitalistisch

Prekarität trifft Frauen* besonders hart
Die meisten Frauen* arbeiten im Niedriglohnsektor, in sogenannten Frauenberufen und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. In der BRD verdienen Frauen* im Durchschnitt 21% weniger als Männer*. Diese Tatsache ist nicht nur dadurch zu erklären, dass sie weniger Gehalt für die selbe Arbeit erhalten, sondern ergibt sich auch durch Faktoren wie Berufswahl, Verdienstlücken durch Elternzeit, aber auch Teilzeitbeschäftigungen aufgrund von Kinderbetreuung. Deshalb sind Frauen* beispielsweise besonders von Altersarmut oder durch den Abbau des Sozialstaates betroffen.

Kein Ende der Doppelbelastung in Sicht
Darüber hinaus erledigen Frauen* auch heute noch den großen Teil der nicht entlohnten Haus- und Sorgearbeit und sind deshalb doppelt belastet. Das kapitalistische Wirtschaftssystem profitiert von der unbezahlten Arbeit, die Frauen* leisten, da sie notwendige Voraussetzung zur Reproduktion der Arbeitskraft ist. Die private Haus- und Sorgearbeit, die Familien in reicheren Ländern nicht machen können oder wollen, wird nicht unter den Geschlechtern aufgeteilt, sondern zunehmend an Frauen* aus ärmeren Ländern verschoben.

… international

Gegen Faschismus und Krieg
Wir wollen jedoch nicht bei der Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter stehen bleiben. Für uns ist der 8. März gleichzeitig ein Kampftag gegen Faschismus und Krieg. Wir beobachten, dass sich verschiedene Staaten weltweit zunehmend mit rassistischer und faschistischer Tendenz radikalisieren. Insbesondere denken wir an die Menschen, die in der Türkei und in Kurdistan von religiösen Fundamentalisten bekämpft und von der türkischen Regierung inhaftiert, gefoltert und ermordet werden. Noch immer werden aus der BRD Waffen an die Türkei oder in Kriegsgebiete exportiert, womit sie von den brutalen Auseinandersetzungen profitiert. Dies ist einer der Gründe, weshalb sich 2015 weltweit über 50 Millionen Menschen auf der Flucht befanden. Insbesondere Frauen* sind in kriegerischen Auseinandersetzungen, und auch auf der
Flucht, weltweit von Vergewaltigung als Kriegswaffe und sexualisierter Gewalt betroffen.

Die Welt rückt nach rechts
Nicht nur in der Türkei, auch in Deutschland, Europa und den USA ist ein starker Rechtsruck spürbar. Diese Bewegungen und Regierungen zeichnen sich nicht nur durch Rassismus und Demokratiefeindlichkeit aus, machen Grenzen dicht und wollen Staatsoberhäupter mit unbegrenzter Macht ausstatten. Sie sind immer auch antifeministisch, versuchen die Rechte von Frauen* zu beschneiden und verteidigen sexistische Verhaltensweisen und männliche Vorherrschaft.
Doch Frauen* auf der ganzen Welt lassen sich das nicht einfach gefallen.

… solidarisch

Frauen* (nicht nur) gegen Trump
Kurdische Frauen* beteiligen sich maßgeblich am Kampf gegen das autokratische Regime Erdogans und den islamistischen Terror des IS. Geflüchtete Frauen* schließen sich zusammen und stehen für ihre Rechte ein. Feminist*innen in Ländern des Nahen Ostens verschaffen sich selbstbewusst Gehör und in Argentinien finden lautstarke Demonstrationen gegen die fortdauernden Morde an Frauen* statt. Auch das Vorhaben der polnischen Regierung, das Recht auf Abtreibung auszuhöhlen, stieß im vergangenen Jahr auf entschlossenen Protest. Beim Women’s March gegen Trump gingen hunderttausende rosa bemützte Demonstrant*innen auch gegen dessen Antifeminismus auf die Straße und hierzulande werden Feminist*innen durch alte Nazis und Neue Rechte in Form von AfD und Co herausgefordert. Auch in anderen Bereichen werden Frauen* aktiv, streiken für bessere Arbeitsbedingungen oder setzen sich für die gesellschaftliche Anerkennung und gerechte Verteilung von Sorgearbeit ein.

Sexismus hat viele Gesichter
Sexismus betrifft nicht nur Frauen*. Trotz “eingetragener Lebenspartnerschaften“ für gleichgeschlechtliche Paare, sind Lebensweisen, die nicht dem Bild von Frau+Mann-Beziehungen entsprechen, noch immer nicht voll anerkannt. Diskriminierung wird dabei nicht nur auf persönlicher Ebene erfahren, sondern zeigt sich auch auf struktureller Ebene, wie z.B. durch höhere Adoptionshindernisse für gleichgeschlechtliche Paare. Ebenfalls berichten ca. 90% der Trans*- Menschen in Europa von Gewalterfahrungen und Belästigungen in der Öffentlichkeit, sowie von einer unangemessenen Behandlung durch Polizei und Justiz. Noch immer wird intergeschlechtlichen Menschen nach der Geburt durch Operationen ein biologisches Geschlecht aufgezwungen, was lebenslang Auswirkungen hat. Insbesondere auch die homo-, bi-, inter- und transfeindliche Politik von konservativen Parteien und die „Demos für alle“, welche gegen einen geschlechtergerechten Bildungsplan protestieren, zeigen, wie an konservativen und traditionell religiösen Bildern von Familie und Geschlecht festgehalten wird.

Unsere Solidarität endet nicht an europäischen Grenzen!
Denn nur wenn wir gemeinsam agieren und globale Netzwerke und Bewegungen aufbauen, sind wir gemeinsam stark!
Lasst uns deshalb am 8. März mit allen Frauen*- und LGBTIQ*-Bewegungen, weltweit auf die Straße gehen: für eine Weltgesellschaft, in der Menschen jenseits von Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen leben können. In der Menschen nicht nach ökonomischer Verwertbarkeit eingeteilt werden. In der die Bedürfnisse aller Menschen den Weg bereiten für ein solidarisches Miteinander!
Deshalb: lasst uns unsere Errungenschaften feiern und uns für kommende Auseinandersetzungen wappnen.

Zum 8. März auf die Straße!


* Der Genderstern symbolisiert alle Geschlechterentwürfe, die sich nicht an dem Femininum oder Maskulinum zuordnen. Er soll außerdem symbolisieren, dass die benannten Gruppen in Bezug auf Faktoren wie Herkunft, Alter, Gesundheit, finanzielle Mittel, oder Bildung unterschiedliche Bedingungen haben.
** LGBTIQ: Lesbisch, Gay, Bisexuell, Transgeschlechtlich, Intergeschlechtlich, Queer