Statement zur Demonstration am 8. März in Freiburg

Wir, als 8. März Demo-Bündnis, haben uns aus verschiedenen Gründen dazu
entschlossen, ein Statement zur diesjährigen Demonstration zu schreiben,
um einerseits unseren Reflexionsprozess zu teilen und andererseits
Kritik an verschiedenen Stellen zu äußern.
Zu Allererst wollen wir sagen, dass wir so stolz sind und es super schön
finden, dass ca. 3000 Menschen am 8. März mit uns auf der Straße waren!
Für uns ist es ein wichtiges Zeichen kollektiver Stärke, dass wir es
geschafft haben uns trotz des Entgegenstellens der Polizei gemeinsam und
entschlossen die Straße zu nehmen. Es ist vor allem super stark, dass
wir als reines FLINTA* (Frauen, Lesben, trans Personen, inter Personen,
agender Personen) Bündnis so viel stemmen konnten! Trotzdem kam es
leider zu einigen stressigen und unangenehmen Situationen, die uns als
Organisator*innen der Demonstration überfordert haben. Wir möchten
deswegen unsere Reflexion darüber transparent machen.

Gerade die diesjährige Demonstration hat uns als Demoorganisation vor
zahlreiche Herausforderungen gestellt. Wir haben viel Energie und Zeit
investiert, um eine Demonstration trotz Corona möglich zu machen, da
gerade in dieser Zeit eine Sichtbarkeit feministischer Anliegen umso
wichtiger ist. Nach der Demonstration haben wir in der kritischen
Selbstreflexion festgestellt, dass wir zwar viel erreicht und gelernt
haben, dass wir aber auch Fehler in der Vorbereitung sowie am Tag selbst
gemacht haben.
Die Corona-Pandemie und die mögliche Infektionsgefahr hat uns vor große
Herausforderungen gestellt. Da wir mit viel weniger Teilnehmenden
gerechnet haben, hatte das einen Mangel in der Struktur zur Folge. Auch
der Zusammenstoß mit der Kundgebung der Querdenker*innen hat uns in
einen großen Zwiespalt gebracht. Für uns ist klar: antifaschistischer
Widerstand ist Pflicht. Uns ist es aber genauso wichtig, die
Versammlungsteilnehmenden nicht zu gefährden, sowohl in Bezug auf den
Infektionsschutz, als auch auf potentielle Gewalt seitens der
Querdenker*innen und der Polizei. Diese Situation hatten wir nicht auf
dem Schirm und bedauern auch, dass die Inhalte, die wir an diesem Tag
auf die Straße bringen wollten an diesem Punkt untergegangen sind. Wir
mussten uns nach der Demonstration selbst eingestehen, dass eine so
große und auch großartige Demonstration mit 3.000 Teilnehmenden in
diesem Rahmen und der Anzahl an organisierenden Gruppen und
Einzelpersonen leider so nicht mehr machbar ist.

Wir möchten uns auch explizit an die Teilnehmer*innen der Demonstration
wenden. Leider gibt es einige Punkte, die uns in der Entwicklung der
Demonstration in den letzten sechs Jahren enttäuscht zurücklassen.
Zuerst möchten wir nochmal klarstellen, dass die 8. März Demonstration
eine politische Veranstaltung ist, die nicht umsonst den Namen
„Kampftag“ trägt. Die Demonstration am 8. März wird in dieser Form seit
2015 in einem Bündnis organisiert. Dabei sind wir in wenigen Jahren von
300 auf 3.000 Menschen gewachsen. Unsere Demonstration hat einen klaren
politischen Charakter, den wir unter anderem auch durch Redebeiträge von
verschiedenen politischen Gruppen sichtbar machen wollen und der auf
keinen Fall untergehen sollte. Wir verstehen die Demonstration weder als
Parade, noch als Party. Deswegen haben auch Alkohol oder andere Drogen
dort nichts zu suchen, denn dadurch bringt mensch sich selbst und andere
nur unnötig in Gefahr! Außerdem sind wir eine reine FLINTA*
Organisation, hatten nur FLINTA* Ordner*innen und Moderation. Diese
wurden teilweise von Teilnehmer*innen überhaupt nicht ernstgenommen und
sogar belächelt. Das sehen wir klar als Zeichen davon, dass wir selbst
am 8. März mit sexistischem und patriarchalem Verhalten und
Einstellungen konfrontiert werden. Personen, die die Organisator*innen
nicht ernst nehmen, sich nicht solidarisch und respektvoll verhalten
können oder wollen, haben dort nichts zu suchen! Wenn Durchsagen gemacht
werden, dann erwarten wir dass diese respektiert und eingehalten werden.
Vor allem von cis-Männern erwarten wir solidarisches Verhalten und
explizit die Respektierung von FLINTA* Räumen, wie z.B. dem ersten
Block.
Wir positionieren uns als Demo-Bündnis und dadurch auch die
Demonstration klar als: antifaschistisch, antikapitalistisch,
antisexistisch, antirassistisch, gegen jede Queer- und
Trans*feindlichkeit, gegen Antisemitismus und generell gegen jede
Diskriminierungsform.

An dieser Stelle wollen wir auch eine konkrete Kritik am Verhalten der
Polizei äußern. Unser Konzept auf großen Straßen zu laufen, um einen
Mindestabstand einzuhalten, wurde von der Polizei zu Beginn der
Demonstration zugleich abgelehnt. Ginge es nach der Polizei, wäre die
Demonstration in kleinen Seitenstraßen gelaufen, was einerseits aus
Hygieneschutzmaßnahmen komplett fahrlässig ist und zum anderen zeigt,
wie sehr versucht wird feministischen Protest kleinzuhalten, unter
Repression zu stellen und unsichtbar zu machen. Nicht nur an diesem,
aber gerade an diesem Tag ist Sichtbarkeit auf der Straße ein zentrales
kämpferisches Ziel.
Auch kritisieren wir das unnötig agressive Verhalten der Polizei, das
sich zum Beispiel durch Schubsen und Androhungen von Pfefferspray
gezeigt hat. Auch das Abfilmen einzelner Personen auf der Demonstration
kritisieren wir scharf und sehen darin ein Zeichen der verstärkten
Repression gegen feministischen Widerstand.
Am Ende der Demonstration wurde im Zuge des Protests gegen die
Querdenker*innen ein*e Teilnehmer*in der 8. März Demonstration von der
Polizei brutal festgenommen. Wir als Demobündnis solidarisieren uns mit
der festgenommenen Person: Denn unser Feminismus stellt sich klar gegen
die antisemitischen, faschistischen und antifeministischen Gedanken von
Querdenker*innen.

Auch die Berichterstattung in bekannten Medien wie SWR und BZ haben uns
mal wieder gezeigt, wie einseitig über soziale Proteste, wie auch die 8.
März Demonstration, berichtet wird. Das reine Abdrucken von
Polizeiberichten ist einerseits eine sehr einseitige Berichterstattung
und sorgt auf der anderen Seite für die Unsichtbarmachung der Anliegen
von über 3.000 Menschen. Allein den Fokus auf „Skandale“ wie die
„Auseinandersetzung mit Polizei und Querdenker*innen“ zu legen, spiegelt
in keinster Weise die große Vielfalt der Demonstration und des gesamten
Tages wider. Auch nach konkreten Statements und Interviews der
Demo-Organisation an Presseorgane wurden diese einfach übergangen. Auch
vor Ort waren der SWR oder die BZ nicht anzutreffen.
Großer Dank geht hierbei an die positive und differenzierte
Berichterstattung zum Beispiel von „We talk Freiburg“ und Radio
Dreyeckland, die vor Ort waren, um sich selbst einen Eindruck von der
Demonstration zu schaffen.

Wir haben dieses Jahr und auch in der Vorbereitung zum 8. März viel
gelernt. Wir haben neue Erfahrungen gemacht und uns wurde wieder einmal
klar, dass feministische Errungenschaften wie die Demonstration uns
nicht einfach so gegeben werden.
Der 8. März, an dem wir historische politische Errungenschaften feiern
und der als internationaler Frauentag in die Geschichte eingegangen ist,
ist auch heute noch ein wichtiger feministischer Kampftag. Nichts von
dem, was in der Vergangenheit erkämpft wurde, ist eine
Selbstverständlichkeit! Jahrhunderte lang kämpften FLINTA* für ihre und
unsere heutigen Rechte und wir sehen es als Pflicht, ihre und unsere
Forderungen für eine solidarische Gesellschaft weiterzutragen. Jedoch
wurde wieder einmal deutlich, dass Polizei, Staat und Antifeminist*innen
uns immer wieder entgegenstehen werden. Wir brauchen euch und eure
Solidarität, um den 8. März in den nächsten Jahren möglich zu machen.
Die Stärke an feministischem Protest, den wir am 8. März auf die Straße
gebracht haben, braucht FLINTA*, die für die Demonstration einstehen und
arbeiten. Deswegen brauchen wir zum nächsten 8. März mehr Leute im
Bündnis. Denn ohne euch kann es keinen 8. März, keine feministische
Bewegung und kein Ende des Patriarchats geben!

Demobündnis 8. März